Angehörige der US-Armee in Ulm

Für Ulm endete der Zweite Weltkrieg am 24. April 1945, als die US-Armee in die zerstörte Stadt einmarschierte und die Verwaltung übernahm. Die Kampftruppen zogen bald weiter und es blieb nur ein kleiner Stab zurück, der als Militärregierung die Geschicke Ulms in den kommenden Jahren lenkte.

Erst Ende 1951 trafen wieder große US-Verbände in Ulm ein, die in der Zeit des Kalten Krieges allerdings nicht mehr als Besatzer, sondern als Verbündete kamen. Zusammenarbeit, auch auf kommunaler Ebene, war das Gebot der Stunde, um gegen den gemeinsamen Feind, die Sowjetunion, auftreten zu können.

Die Ulmer sahen zwar die Notwendigkeit der Stationierung, wollten jedoch deren Auswirkungen nicht schultern. Die Unterbringung der Soldaten strapazierte die bereits angespannte Wohnraumlage und die Anwesenheit der meist jungen Männer führte zu Reibungen: Klagen wegen Ruhestörung, Alkoholismus und Vandalismus wurden immer lauter. Das öffentliche Auftreten der Soldaten sollte sich ändern. Nicht mehr als überlegene Armee, sondern als gleichberechtigter Partner sollten sie sich verhalten.

 

US-Soldaten verteilen vor der Boeckle-Kaserne Lebensmittel an die bettelnden Kinder

 

Vor allem die Prostitution der „Fräuleins“ und die um sich greifenden Geschlechtskranken sowie die steigende Zahl unehelicher Kinder sorgten für Empörung. Örtliche US-Befehlshaber nahmen diese Klagen ernst, da kein falsches Bild der GIs entstehen sollte, hatten jedoch nur wenig Handlungsspielraum. So klingt der Ulmer Stadtkommandant auch eher ernüchternd: „I know that not all soldiers who go out with a girl have the full intention to get married to that.“ Dass diese Intentionen aber durchaus bestanden, zeigen die Eheschließungen zwischen AmerikanerInnen und UlmerInnen: Allein im Jahr 1955 gab es 141 Eheschließungen zwischen Angehörigen der beiden Nationen.

Die „deutsch-amerikanischen Freundschaftswochen“ in Ulm sollten die Beziehungen allgemein verbessern. Auf dem Programm standen die Besichtigung der Kasernen, aber auch der „human contact“ beim abendlichen Boogie-Woogie-Tanz. Besonders die amerikanische Musik saugte die Ulmer Jugend auf, was zur Gründung des Clubs „Studio der Jazzfreunde“ führte. 1961 gab Louis Armstrong in Ulm ein Konzert und erhielt dabei großen Beifall.

Die Amerikaner verfolgten auch das Ziel, die Deutschen von den Idealen des Westens zu überzeugen, wie Freiheit, Toleranz und Demokratie. Ein Mittel dabei war das Amerika-Haus in der Frauenstraße, das sich gezielt an Einheimische richtete und auch gut angenommen wurde.

 

Das Amerikahaus in der Frauenstrße wurde als “Window to the West” von vielen Ulmern besucht, hier im Jahr 1953 bei Nacht.

 

Für viele Ulmer war die Anwesenheit afroamerikanischer Soldaten problematisch. „Als die ersten amerikanischen Truppen in Ulm ankamen, war es […] ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass wir keine farbigen Einheiten bekommen sollten,“ so der Ulmer Bürgermeister 1952. In den USA war die Rassentrennung zu dieser Zeit an der Tagesordnung und so kam es auch in Ulm immer wieder zu Konflikten zwischen schwarzen und weißen Soldaten in der Öffentlichkeit. Die Reaktionen der Ulmer darauf waren unterschiedlich: Einige wunderten sich, wie dies mit dem sonst betonten Freiheits- und Demokratiegedanken übereinstimmen könne. Andere sahen sich in ihrem eigenen Rassismus bestätigt und konnten auf das „Vorbild“ USA verweisen.

Am US-Armed Forces Day sollten sich die Ulmer von der Schlagkraft der amerikanischen Truppen überzeugen können. Kinder und Jugendliche nutzen hier die Gelegenheit, auf den Panzer zu klettern.

 

Mit der Wiederaufrüstung Deutschlands und der Etablierung der Bundeswehr zogen vorübergehend deutsche Soldaten zu den GIs in die Ulmer Kasernen ein. Allerdings änderte sich das Ende der 1950er Jahre, als ein Beschluss festlegte, dass Ulm eine rein deutsche und Neu-Ulm eine rein amerikanische Garnison wird. Zwar gab es weiterhin Kontakte über die Donau, aber für Ulm endete damit offiziell die Zeit als US-Standort.