Jüdische Zuwanderung nach Ulm

Nach dem Zweiten Weltkrieg und den Schrecken des Holocausts migrierten nur sehr wenige Menschen jüdischen Glaubens nach Deutschland. Der 1913 in Ulm geborene und 1935 nach Palästina ausgewanderte Alfred Moos war einer der wenigen Ulmer Juden, die nach dem Dritten Reich in die Stadt zurückkehrte.

Mit seiner NS-Vergangenheit begann sich Ulm vergleichsweise früh auseinander zu setzten: 1961 gab Oberbürgermeister Pfizer die Erforschung der Verfolgung der Ulmer Juden in Auftrag, woran eine bis heute beachtete Dokumentation erschien. Und ein zentrales Datum in der Ulmer Erinnerungskultur ist der 9. November 1938, als die Synagoge angezündet und in Folge abgerissen wurde. Zum 50. Jahrestag dieser Reichspogromnacht lud die Stadt 157 ehemalige Ulmer Juden ein, die nach 1933 in Exil geflohen waren.

 

Zur Einweihung der Synagoge tanztz hier der Rabbiner Shneur Trbnik mit der Tora in der Neuen Mitte. (Quelle: StdAU).

 

Erst mit dem Untergang der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre kamen wieder vermehrt Juden nach Ulm. Allerdings gab es ein Problem, denn Deutschland war ja per Definition kein Einwanderungsland, aber die jüdischen Migrantinnen und Migranten kamen mit dem Ziel der Dauerniederlassung. So bot das Kontingentflüchtlingsgesetz, das 1980 als humanitärer Akt für die vietnamesischen boat people eingeführt worden war, einen Ausweg. Damit entfiel ein individuelles Asylverfahren und es bot einen gesicherten Aufenthaltsstatus.

Ein bei der Gedenkfeier an die Pogromnacht auf dem Weinhof wiederkehrendes Symbol ist ein mit Kerzen gelegter Davidsstern, wie hier im Jahr 2007. (Quelle: StdAU).

In Ulm stieg die Zahl der Juden in der Stadt auf ca. 200 im Jahr 1996. Im Laufe der Zeit wuchs die Gemeinde auf ca. 450 Mitglieder an, sie bekam 2002 einen eigenen Rabbiner. 2012 konnte die neue Synagoge unter der Beteiligung höchster Politprominenz eingeweiht werden und ist an historischer Stelle auf dem Weinhof, räumlich sehr nahe an der in der Reichspogromnacht angezündeten Synagoge.