Die geballte Vielfalt Ulms findet sich am Bahnhof

Multikultour-Guide Yasemin Arpaci

(Quelle: Yasemin Arpaci).

Ich heiße Yasemin Arpacı und bin 43 Jahre alt. Ich bin bilingual und beherrsche fünf Sprachen. Ich bin International Guide, weil ich die Attribute einer internationalen Stadtgesellschaft von Geburt an mitbringe. Diese sind für mich Weltoffenheit, Interesse an der vielfältigen Stadt Ulm und Lust auf Begegnung und Entdeckung.

Die interkulturelle Umgebung, in der ich hier in Ulm aufgewachsen bin, ist meine DNA

Nach meiner Geburt habe ich in einem interkulturellen Viertel in der Ulmer Innenstadt gelebt. Ich war umgeben von dem Sound einer internationalen Stadt: Türkisch, Italienisch, Spanisch, Französisch und Deutsch. Das sind die Herkunftsländer der Menschen, die das Viertel belebten. Ulm ist für mich, an jeder Straßenecke eine Erinnerung zu haben, eine Geschichte zu kennen, ein persönliches Erlebnis. Nach Jahren des Sprach-Studiums in anderen Städten und im Ausland bin ich gerne nach Ulm zurückgekehrt. Hier ist der Ort, an dem meine Internationalität begann. Mich hat diese Umgebung in der Mitte Ulms sehr geprägt. Sie ist meine DNA. Ich lebe gerne hier, fliege aber auch gerne immer wieder aus. Wie der Ulmer Spatz.

Am Bahnhof kann man die geballte Vielfältigkeit unserer Stadtgesellschaft sehen

Ein altes Familienfoto. (Quelle: Yasemin Arpaci).

Ich präsentiere als Stadtführerin auch den Bahnhof. Dieser wird sicher auch an Schönheit dazugewinnen in den nächsten Jahren. Jeden Sonntag, wenn meine Geschwister im Haushalt mithalfen, durfte ich mit meinem Vater von der Parkstrasse zum Bahnhof laufen. Er holte sich dort die aktuelle Hüriyet-Zeitung und ich bekam eine Packung Treets. Warum ich diesen Ort nach wie vor spannend finde? Auch heute kann man dort die geballte Vielfältigkeit unserer Stadtgesellschaft sehen. Im Vergleich zu meiner Kindheit und Jugend in Ulm hat sich dieser Bahnhof in all den Jahren kaum verändert. Egal welcher Stadtteil, in den 44 Jahren haben sich bei mir viele Memoiren angesammelt in Ulm. Immer wenn mich meine Eltern irgendwo in der Weltgeschichte besucht haben, war ihr Referenzort trotzdem Ulm geblieben. Das ist bei mir nicht anders. Das zufällig hier in Ulm auch die Donau fließt, die ins Schwarze Meer mündet, wo meine Eltern herkommen, finde ich manchmal ironisch, manchmal einfach nur rund.

Von der Kinderbibliothek der vh zum Literaturstudium nach Freiburg

Einer meiner Lieblingsorte ist die vh. Viele Fragen sich, weshalb ausgerechnet die vh? Nicht, dass das kein historisch bedeutsamer Ort per se wäre. Für mich hat er einen ganz zentralen persönlichen Hintergrund. Die meisten wissen das gar nicht (mehr), aber ich bin in die Welt der Bücher erst über meine Eltern – die damals für eine Buchbinderfirma arbeiteten – und anschließend über die Kinderbibliothek, die sich damals im Einstein-Haus im Foyer befand, eingetaucht. Als ich die Bücher damals in der vh ausgeliehen habe, war auf der letzten Seite der Bücher ein Zettel aufgeklebt, der dann mit einem roten Stempel an das Abgabedatum erinnerte. Die meisten Stempel waren schräg. Es war mir möglich, viele Bücher, auf die ich als Kind Lust hatte, zu lesen. Es sollte für mich schon ein gewisse Bedeutung haben, dieser Ort in der vh, weil ich dann später an der Albert-Ludwigs-Universität Literatur studierte. Immer wenn ich in die vh denke, denke ich an die Momente zurück, wie ich als kleines Kind eine gewissen Faszination durch die Buchstabenwelt spürte. Es war Mehmet Arpaci – meinem Vater von sechs Mädchen – immer enorm wichtig, dass wir lasen und uns weiterbildeten.

Die Koordinierungsstelle Internationale Stadt

 

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