„Heimat ist für mich…“

„Mamas ,Such’ Dir ein soziales Umfeld durch ein Hobby! ̒ brachte mich zum Schach.“

 

Sarah
*Ulm, Deutschland

Ich wurde in Ulm geboren, daher habe ich keine so spannende Ankunftsgeschichte wie die anderen der Gruppe. Ich hatte immer, von klein auf, einen Bezug zu Ulm, obwohl ich die ersten fünf Jahre meines Lebens in Neu-Ulm gelebt habe.

Heimat ist für mich dort, wo meine Familie ist, die zwar größtenteils eigentlich nicht blutsverwandt ist, aber manchmal hat man eben das Glück, dass plötzlich neue Leute in das eigene Leben treten, die dieses für immer verändern und die immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, ebenso natürlich meine liebe Mama und meine liebe Oma. Solange sie alle in Ulm sind oder um Ulm herum, ist Ulm auch meine Heimat.

Ich selbst bin sehr offen gegenüber allem aufgewachsen mit einem Mix der Kulturen, der sich durch meine algerischen Wurzeln abzeichnet. Genauso empfinde ich Ulm, tolerant und offen für Neues, was die Stadt selbst so interessant macht.

Als Kind war ich immer ganz stolz Ulmer zu sein, schließlich haben wir den höchsten Kirchturm der Welt, das Nabada und den Schwörmontag, das Fischerstechen, eine wunderschöne Altstadt und eine überaus interessante Stadtgeschichte. Im Laufe der Jahre fing ich an viel Negatives zu sehen: keinen Ort ohne Baustellen, das Gefühl einer zu kleinen Stadt, die sich größer fühlt als sie eigentlich ist und diese lästigen Baustellen…

Wenn man jedoch beschließt wegzugehen, sieht man wieder die schönen Seiten dieser Stadt. Ulm, die Stadt, in der all meine Lieben leben, wo sich mein ganzer Freundeskreis befindet, wo ich so oft so glücklich war… Aber ich weiß, jedes Mal, wenn ich wieder zurück nach Hause komme, dass ich mich auf alles freuen kann, was diese schöne Stadt ausmacht und sie mich, so wie ich bin oder geworden bin, wieder aufnimmt…

 

Ich bin die Stärkste der Gruppe und einzigartig. Unsere Gruppe gehört zu einem „Spiel“, wie Laien uns bezeichnen. Ich bin die erhabene und majestätische Weiße Dame aus dem überaus logischen, taktischen und strategischen Schach. Ich bin so beliebt, dass sogar der größte Verein in ganz Oberschwaben nach mir benannt wurde, was schließlich kein Wunder ist.

Eines Tages kam ein junges Mädchen zu uns, was eher selten vorkam, da diese sich hier bei uns kaum blicken lassen. Um uns versammeln sich größtenteils Jungen und Männer, die uns als selbstverständlich ansehen oder Kinder, die uns nicht zu schätzen wissen und durch die Gegend werfen. Nur eine ganz freundliche Dame, welche sich bei der Gründung des Vereins eingesetzt hat, mich endlich mal zu ehren, schätzt uns auf angemessene Art und Weise und zeigte der Neuen unsere Schönheit und Stärke. Sie lehrte unseren Wert und zeigte einen liebevollen Umgang. Die Neue ging und geht so mit uns um, wie es sich gehört und deshalb kann ich ihr auch so manche turbulenteren Partien verzeihen.

Nun habe ich mit meinen Kollegen mal etwas Neues zu sehen bekommen: ihr Zuhause. Allerdings werden wir wohl nicht so lange dortbleiben, denn ich hörte bereits, dass wir mit ihr auf eine lange Reise gehen werden, bis in die weit entfernte Stadt Berlin. Sicherlich werden wir dort ein schönes Plätzchen bekommen und, wenn wir irgendwann zu den anderen zurückkehren, war ich in der großen Hauptstadt und kann den anderen von dem richtigen Stadtleben erzählen…

„Heimat ist für mich…“
Ulm, Deutschland