Displaced Persons in Ulm

Displaced Persons waren während des Zweiten Weltkrieges verschleppte Zwangsarbeiter, die sich nach dem Untergang des Dritten Reiches in Deutschland aufhielten und meist auf eine Ausreisemöglichkeit warteten.

Im Oktober1945 befahl die US-Militärregierung, dass 1 500 polnische DPs in Ulm untergebracht werden müssen. Dafür mussten auch 500 Privatwohnungen in der Sedanstraße geräumt werden, was auf großes Unverständnis innerhalb der Bevölkerung stieß. Die polnischen DPs verließen aber Ulm bald wieder – auch, weil die Amerikaner starken Druck ausübten.

Auf die polnischen folgten gleich jüdische DPs. Ulm entwickelte sich in dieser Zeit zu einem der größten Zentren für jüdische DPs in der gesamten US-Besatzungszone. Es waren über 6 500 – aus insgesamt 13 Nationen – in Ulm.

Die amerikanische Militärpolizei räumte 1949 einen Sitzstreik von 375 jüdischen DPs, die sich weigerten, bis zu ihrer Ausreise nach Palästina in einer Ulmer Kaserne untergebracht zu werden. (Quelle: StdAU).

 

Aufgrund dieser hohen Zahl entwickelte sich auch eine Infrastruktur in den DP-Lagern. Es gab Kindergärten und Schulen und auch eine Fachhochschule für DPs wurde gegründet. Der Stellenwert Ulms im Hinblick auf die jüdischen DPs wird auch durch einen Besuch des späteren ersten Premierministers Israels, David Ben-Gurion, deutlich, der Vorträge hielt.

Unter großem Interesse der In- und Auslandspresse räumten 1950 die in den Privathäusern in der Sedanstraße untergebrachten DPs die Wohnungen. (Quelle: StadtAU).

 

Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel proklamiert. Das wurde in den Ulmer DP-Kasernen gefeiert, verbunden mit der Hoffnung auf eine baldige Ausreise. Allerdings verzögerte sich diese noch bis August 1949. Auf die jüdischen folgten danach ukrainischen und baltischen DPs.

Ab 1950 begann dann die Auflösung der Ulmer DP-Camps und die Überführung in die deutsche Verwaltung begann. Offiziell wurden so die Displaced Persons zu „Heimatlosen Ausländern“.

 

In den Zeiten der Not blühte der Schwarzmarkt, der bei den Zeitgenossen oftmals mit den DPs in Verbindung gebracht wurde. Jedoch beteiligten sich auch Einheimische an den illegalen Geschäften. (Quelle: StadtAU).

 

Viele der in Ulm verbliebenen DPs waren ältere Menschen, die auch aufgrund ihres gesundheitlichen Zustands nicht mehr auswandern konnten. In Dornstadt entstand speziell für diese Gruppe ein Altersheim, das bis 1991 rund 550 heimatlose Ausländer beherbergte, wovon heute noch ein orthodoxer Friedhof zeugt.