„Ankommen in Ulm an der Donau!”

„Das Donauschwaben-Ufer mit der Gedenktafel der Obrowatzer ist für mich ein Lieblingsort in Ulm…“

 

Franz
* Obrovac, Serbien

Nach 13 Jahren Ankunft in Deutschland war ich endlich am Ziel meines „Traumberufes“, wie ich meine Zeit als Lehrer an Berufsschulen im Laufe der Jahre genannt habe. Die 13 Jahre mit Spurenwechsel waren sehr aufregend und abwechslungsreich, aber immer ein Provisorium mit entsprechendem Wohnungswechsel und Quartier in Untermiete. Wie ich das aus heutiger Sicht aushielt, ist mir immer noch schleierhaft. Aber ich war jung und immer in hoffnungsvoller Neugier. Mein einziges eigenes Mobiliar war ein Tischle für mein Rundfunk- und Tonbandgerät, mit dem ich mich informierte und mein Musik-Hobby pflegte.

„… und der Schwal auf der Neu-Ulmer Seite. Hier stiegen unsere Vorfahren in die Ulmer Schachteln und fuhren donauabwärts nach Ungarn.“

 

Noch während meiner Studienzeit an der Berufspädagogischen Hochschule in Stuttgart durfte ich den Ort meiner zukünftigen Schule selbst wählen. Ein Abenteuer? Nein! Die Trockenperiode (Städte ohne Flüsse) meiner Jahre in Heidenheim, Schwäbisch Gmünd, Ellwangen – endlich vorbei! Jugendjahre an der Donau in Palanka – Baja – Budapest wurden wach und lebendig. Ulm an der Donau! Schnell war die Schule in dieser kuschelig-freundlichen Stadt gefunden. Dann die erste Suche nach einer richtigen Wohnung. Das schon mit meiner Freundin und zukünftigen Frau. In einem kleinen Dorf mit 16 Häusern mitten in der Natur wurden wir fündig. Und wie groß war die Überraschung, als wir bei einer Radfahrt durch einen Auwald an der Donau landeten. Glücklicher Zufall! Freunde, Freundschaften, Familie, frohe Tage folgten schnell nach diesem Doppelanker an der Donau. Endlich angekommen!

Nachtrag: Es dauerte nicht lange bis ich in der Gemeinschaft der Donauschwaben landete in dieser historischen Stadt der Donauschwaben.

 

 

Mein Gegenstand als treuer Begleiter

 

„Meine ,Pobjeda ̒.“

Nach der Flucht sind wir 1946 in Csávoly/Südungarn gelandet. Mit zehn Jahren wurde ich mit der Erstkommunion in die römisch-katholische Kirchengemeinde aufgenommen. In Ungarn herrschte noch eine pluralistische Gesellschaft und traditionell hatte die katholische Kirche großes Ansehen. So folgte nach zwei Jahren nach katholischer Tradition die Firmung, nun schon im etwas reiferen Alter die Glaubensbestätigung. Inzwischen war unsere Familie sehr gut in der Gemeinde integriert und so war es kein Problem, eine Firmpatin für mich zu finden. Es war eine donauschwäbische Familie, der ältere Sohn war mein Klassenkamerad.

Es war üblich, dass nach der Firmung durch den Bischof der Firmling ein Geschenk von seinem Firmpaten überreicht bekommt. Von meiner Firmpatin bekam ich eine Armbanduhr geschenkt! Das war für mich eine riesengroße Überraschung und ich zeigte stolz mein Geschenk all meinen Freunden. Wie kam aber meine Firmpatin kurz nach dem verheerenden Krieg zu so einer Armbanduhr? Nun, kurz vorher kam aus Russland aus der Kriegsgefangenschaft ein ehemaliger ungarischer Soldat zurück. Er brachte von dort die Uhr der Marke „ПОБЕДА“ („Pobjeda“ = Sieg) mit und verkaufte sie meiner Firmpatin.

Die Uhr begleitete mich auf meiner Flucht nach Deutschland und war ein treuer Mahner während meiner ganzen Schulzeit als Lehrer für die Unterrichtsstunden und Einhaltung der Pausen. Ein treuer Begleiter bis zu meiner Pensionierung, immer wieder in Gedanken an meine liebe Firmpatin und die damit verbundene Jugendzeit.

„Ankommen in Ulm an der Donau!”
Obrovac, Serbien