Aussiedler in Ulm

Vor 200 Jahren war Ulm ein Ort der Auswanderung. Tausende sogenannte Donauschwaben machten sich von Ulm aus über die Donau auf nach Osteuropa, um sich dort anzusiedeln. Es entstanden eigenständige Dörfer und Städte, in denen sie ihre Kultur und Traditionen leben konnten und durften.

 

bundesfinanzminister Theo Waigel sprach 1996 in der Donauhalle im Rahmen des Heimattages der Bonater Schwaben und schierte den noch im Bonat Verbliebenen finanzielle Unterstützung zu. (Quelle: SWP 28.5.1996, Reiner Wolf)

 

Der Zweite Weltkrieg änderte das. Stalin sah alle Deutschstämmigen in seinem Einflussgebiet als Feinde oder Kollaborateure an. Sie verloren ihre Rechte und wurden teils nach Kasachstan oder Sibirien deportiert. Viele wollten deshalb nach Generationen wieder in das Land ihrer Vorfahren zurück. Allerdings konnten nur wenige aufgrund bürokratischer Hemmnisse oder hohem finanziellen Aufwand nach Deutschland zurückkehren. Die, die es schafften, wurden in der Bundesrepublik mit offenen Armen empfangen. Sie wurden sofort als Deutsche anerkannt und erhielten damit alle staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende der 1980er Jahre änderte sich die Lage: Die Grenzen wurden durchlässiger, die Ausreisebedingungen lockerer. So viele Aussiedler wie nie nutzten die Gelegenheit nach Deutschland auszuwandern, was zu Unterbringungsproblemen führte.

Auch Ulm war auf diese Situation nicht vorbereitet. Selbst zwei neu erbaute Gemeinschaftsunterkünfte in Wiblingen und Böfingen hatten keine Kapazitäten mehr frei, so dass über 1 600 Aussiedler in Hotels untergebracht werden mussten. Der Umzug in eine Privatwohnung verlängerte sich teils auf über ein Jahr.

 

 

Empfang der Banater Schwaben in Ulm durch Oberbürgermeister Gunter Czisch und der Trachtenumzug auf dem Ulmer Marktplanz im Rahmen des Heimattages im Jahr 2016. (Quelle: StdAU)

 

In dieser Situation sah die Bundesregierung Handlungsbedarf. „Das Tor bleibt offen“ war zwar die offizielle Devise, jedoch erschwerte sie die Einreise, indem sie z. B. Sprachtests einführte. Somit sanken die Aussiedlerzahlen auch in Ulm kontinuierlich, so dass im Jahr 2005 noch 23 Aussiedler in Ulm eintrafen.

Ein besonderes Verhältnis existiert bis heute zwischen Ulm und den Banater Schwaben, weil oftmals Ulm der Ausschiffungsort der Vorfahren war. Seit 1974 feiert die „Landsmannschaft der Banater Schwaben“ ihren Heimattag in Ulm, der im Jahr 1992 über 20 000 Besucher und höchste Politprominenz anzog. Auch verschiedene Institutionen in der Stadt zeigen die guten Beziehungen, wie z. B. das Donauschwäbische Zentralmuseum. Es hat die Aufgabe, die Kultur und Tradition der Donauschwaben zu bewahren und die Geschichte umfassend zu dokumentieren und der Öffentlichkeit und Forschung zur Verfügung zu stellen.

Empfang der Banater Schwaben in Ulm durch Oberbürgermeister Gunter Czisch und der Trachtenumzug auf dem Ulmer Marktplanz im Rahmen des Heimattages im Jahr 2016. (Quelle: StdAU)